Tanzmariechen: Freundin und Konkurrentin (Nürnberger Nachrichten, 11.02.15)

An Fasching haben die jungen Tänzerinnen viel Stress — Doch nach dem Fasching kommen die Wettbewerbe

Mit ihren kurzen Röcken, den perfekt frisierten Zöpfchen und den stylischen Kostümen tanzen sie sich durch die fünfte Jahreszeit: die Mädels und Jungs der Faschingsvereine. Dass hinter jedem Tanz ein anstrengendes Sportprogramm und sogar Konkurrenzdruck steckt, sieht man aber erst auf dem zweiten Blick. Drei erfolgreiche Tanzmariechen erzählen von ihrem Hobby, das sie nicht nur zur Faschingszeit zu Höchstleistungen fordert.

Liana, Jenny und Bianca kennen sich: Bei Wettbewerben sind sie befreundete Konkurrentinnen, bei Auftritten, wie in Veitshöchheim, tanzen sie auch gemeinsam. ©Montage: Hava

Stressig? Ja, das ist es – kann Jenny Berger nur bestätigen. „Ende Januar und im Februar, wenn wir neben den Turnieren und dem Training noch die vielen Auftritte auf Prunksitzungen, Veranstaltungen und im Fernsehen haben, geht es zur Sache“, erzählt die 15-Jährige. Sie tanzt seit acht Jahren bei der Nürnberger Buchnesia. Diese Saison ist sie gerade von den Junioren in das Ü15-Team gewechselt. Dort mischt sie als Tanzmariechen, in der Garde, in der Schautanzgruppe und im Paartanz mit.

Für die Schülerin steht ganz klar der Sport im Vordergrund. „Auf Faschingsfeiern bin ich eher selten unterwegs“, gesteht sie. Denn beim Faschingsverein aktiv zu sein, bedeutet nicht gleich, dass man sich gerne verkleidet und auf jeder Party vertreten ist. „Das Tanzen ist der Hauptgrund, warum ich im Verein dabei bin“, sagt Jenny, die momentan zweimal in der Woche trainiert. Da kommen immerhin acht Stunden zusammen.

Denn wer als Tanzmariechen oder in der Garde über die Bühne wirbelt, sollte fit sein. Das weiß auch Bianca Dürrbeck von den Röttenbacher Besenbindern.

Die 19-Jährige aus Wiesendorf bei Adelsdorf trainiert eigentlich viermal pro Woche, während des Faschings kommen aber noch Zusatzeinheiten für neue Tänze und die ganzen Auftritte hinzu. „Nach dem Aufwärmen machen wir zum Beispiel Seilsprünge für die Ausdauer, wir dehnen uns aber auch viel und kräftigen unsere Bauch- und Rückenmuskulatur. Dann tanzen wir unsere Tänze“, erzählt sie.

Pause wegen Verletzung

Am liebsten mag Bianca die Akrobatik. Schon als Kind konnte sie nicht stillsitzen: „Ich habe gerne Räder und Spagat gemacht. Und da meine Mama eine Trainerin kannte, kam ich zu dem Sport.“ Verletzt war die junge Frau leider schon häufiger, weil ihre „Bänder nicht die besten sind, und ich daher schnell mal umknicke“. Eine Trainingspause bedeutet dann, dass man wieder viel aufholen muss. Liana Wolf vom DJK Schwabach hat diese gerade hinter sich, berichtet sie.

Die vierfache Deutsche Meisterin bei den Junioren-Tanzmariechen hat sich bei einem Turnier verletzt und musste mehrere Wettkämpfe ausfallen lassen. Apropos Wettkampf: Wie ist der Konkurrenzdruck unter Tanzmariechen? „Es gibt in Deutschland über 400 Tanzmariechen. Mein Verhältnis zur Konkurrenz ist gut, mit einigen bin ich sogar befreundet“, sagt die 13-jährige Liana.

Jenny meint, dass jede Tänzerin natürlich besser sein möchte als die andere. „Gerade in den Disziplinen Tanzmariechen und Garde ist das schwierig, hier gibt es viele erfolgreiche Mariechen auch aus der Region.“ Da die Nürnbergerin neu in ihrer Altersklasse ist, kennt sie noch nicht so viele Teilnehmerinnen, bei den Junioren hat sie einige Freundinnen. „Bei Wettkämpfen unterhalten wir uns dann über unser Training, man holt sich Ansporn und schaut, was die anderen so in ihre Choreographie einbauen.“ Ihr Ziel ist, in ein bis zwei Jahren wieder auf die Deutsche Meisterschaft zu fahren, auf der sie 2014 siebte wurde.

Das Highlight der drei Tanzmariechen ist der Auftritt bei „Fastnacht in Franken“ in Veitshöchheim. Jenny ist dieses Jahr das erste Mal dabei gewesen, Liana und Bianca tanzten dort schon öfter gemeinsam. „In der Live-Sendung teilnehmen zu dürfen, ist die Champions League des karnevalistischen Tanzes. Nicht jeder Tänzer darf dorthin, es ist eine Ehre für mich“, sagt Liana.

Im vergangenen Jahr durfte die 13-Jährige bereits vor Bundeskanzlerin Angela Merkel im Berliner Kanzleramt tanzen. Das zählt neben den vielen Titeln zu ihren wichtigen Erfolgen. Auch die zweifache Deutsche Meisterin Bianca durfte in diesem Jahr noch mal zu Angela Merkel reisen. „Ich bin aufgeregt, da ich alleine tanze. Voriges Jahr, als wir mit der Gruppe beim Totalitätenempfang waren, war ich leider verletzt“, erzählte Bianca vor ihrem Auftritt.

Wie Jenny hat auch die 19-Jährige nicht so viel mit dem Verkleiden an Fasching am Hut. „Nur bei der Rosenmontagsparty im Verein“, sagt sie. Und auch Liana bezeichnet sich eher als Faschingsmuffel. Die jungen Tänzerinnen interessieren sich eben nur für ihren Sport, trainieren dafür hart und freuen sich natürlich, an Fasching und bei Wettbewerben zu zeigen, wofür sie das ganze Jahr so fleißig geschwitzt haben: Jenny ist im Paartanz bei der Süddeutschen Meisteschaft dabei, Liana und Bianca wollen im März ihren Deutschen Meistertitel verteidigen.

STEFANIE GOEBEL

11. Februar 2015